Wenn keiner weiß, was heraus kommt

KREISZEITUNG Böblinger Bote

Erschienen am Freitag, 4. Oktober 2013

Anlass: STB Bigband TRIFFT Impro-Theater WildWechsel

Neues Format: Im Pavillon traf die STB Bigband am Mittwoch auf eine Impro-Theater-Truppe
SINDELFINGEN. Wohl aufgrund der vielen Veranstaltungen am Vorabend des Tages der deutschen Einheit fanden wenige den Weg ins Sindelfinger Pavillon. Die, die kamen, sollten es jedoch nicht bereuen. Welche Performance war zu erwarten? Selbst Django Hödl, Leiter und Posaunist der STB Big Band meinte vor dem Konzert: „Keiner weiß, was rauskommt.“ Denn Impro-Theater ist Spontan-Theater bei dem das Publikum durch Spielideen bestimmt, was auf der Bühne geschieht – also eine Interaktion zwischen Moderation, Publikum, Schauspiel und musikalischer Begleitung. Man durfte gespannt sein.
Zunächst betrat die Bigband die Bühne und legte kraftvoll und überaus präzise mit gestochen scharfem Sound los. „Straighten Up“ war das richtige Stück, um das Publikum in den Abend einzuswingen. Bis zum Auftritt von Wildwechsel sollten noch vier weitere Stücke folgen, die die in der Region bestens bekannte Formation in bekannt groovender Manier vortrug. Allein wenn die Sängerin Pearl Bretter zum Mikrophon greift, springt der Funke sofort auf das Publikum über. Ein swingendes Tremolo in der Stimme, phantasievoller Scat-Gesang und Musik in jeder Faser ihres Körpers taut auch unterkühlte Gemüter auf. Dazu gesellte sich später noch Jordi, ein STB-Urgestein, der bei Roger Ciceros „Frauen regier’n die Welt“ mit seiner kraftvollen Stimme das Soundspektrum der Band erweiterte.
Schließlich war es so weit: Wildwechsel kam und Rüdiger Erhards erste Worte waren: „Was für eine geile Band!“ Dann erklärte er kurz wie Impro-Theater funktioniert: Ein Thema wird festgelegt, dann zählt das Publikum lautstark von Fünf bis Null runter und los geht’s . . .

Ein Ornithologe mit Flugangst
Bei der ersten Nummer wurde Ensemblemitglied Helmut Grygel aus dem Saal geschickt.
Das Publikum sollte sich einen außergewöhnlichen Beruf und eine Eigenschaft ausdenken und man einigte sich auf einen Ornithologen mit Flugangst. Helmut wurde wieder hereingebeten und wusste natürlich von nichts. Nun war Sandra Pöhler die dritte im Bunde und Gastgeberin des „heiteren Berufe raten“. Sie interviewte den Ornithologen, der seine Hände auf dem Rücken verschränkt hatte und sich der Gestik Rüdigers bedienen musste, der hinter ihm stand, seine Arme unter Helmuts Achseln durchschob und diese so bewegte, dass Helmut im Zusammenspiel von Sprache und Gestik der beiden Kollegen schließlich ganz klar zu erkennen geben konnte, dass er der Ornithologe mit Flugangst war.
Dabei wurde er immer wieder durch Klangcollagen des Theatermusikers Böny Birk (Keyboard) und der Bigband unterstützt. Weiterhin sollte sich das Publikum ein
viel zu wenig besungenes Objekt ausdenken und dazu ein musikalisches Genre, in dem
dieses besungen werden sollte. Es wurde die Komposttonne gewählt, die nun Einzug in
Rock, Reggae und Oper fand. Der Reggae wurde dabei besonders nett vom Schlagzeug
Ralph Püpkes und von den schlangenartigen„Hula-Bewegungen“ Helmuts unterstützt.
Dabei reimte Wildwechsel in den entsprechenden Gesangsstimmen spontan wie: „Lebte einst in voller Wonne der Wurm in einer Komposttonne, mach endlich Platzfür den Kaffeesatz“.
Nach einer viertelstündigen Pause „für jeden Musiker“, wie Django Hödl ankündigte, ging es musikalisch mit „Honey Suckle Rose“ weiter, bei dem vor allem Pearl Bretter mit eindrucksvollem Scatgesang aufwartete. Jordi durfte wieder ran bei „Ich tanze Salsa mit dir“. Das war auch die Sternstunde von Sven Reisch, Kandidat der Grünen für die vergangene Bundestagswahl, der an diesem Abend nicht durch Wahlreden überzeugen musste, sondern mit Salsa-Groove an Congas und Bongos. Mit einem astreinen Solo an diesen Perkussionsinstrumenten gelang ihm dies auch. Nach dem Titel „Mr. Suit“ war es wieder soweit: Wildwechsel griff in die Wundertüte des Impro-Theaters und verzauberte das Publikum mit einem Dialog aus positiven und negativen Gefühlen, die aus dessen Reihen genannt wurden. Der „romantische Ort“ an dem dieses stattfand war die Mercedes Benz Arena! Gleichzeitiges improvisiertes Sprechen über den „Thailandurlaub mit Fächer-Mitbringsel für die Oma“ oder „sprechende Marionetten“, die von zwei Besuchern gelenkt wurden, trieb manchen Zuschauern vor Lachen Tränen in die Augen.
Sowohl STB als auch Wildwechsel erntete viel Beifall und auch wenn beide Genres nicht immer nahtlos ineinander griffen; so war es Improvisation, die eben die Eigenschaft hat, manchmal gerade noch den Bogen zu kriegen und manchmal in Höhenflügen zu enden.
Ein gelungener Abend.
Von Bernd Epple

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