Vater-Sohn-Duo garniert Geburtstagskuchen

KREISZEITUNG Böblinger Bote

Erschienen am Dienstag, 31. März 2015

Anlass: Nachbericht Dauner//Dauner-Konzert

Wolfgang und Florian Dauner begeistern beim Abschlusskonzert der IG-Kultur-Jazztage im Odeon der SMTT Sindelfingen

Ihr 35-jähriges Bestehen hat die IG Kultur mit Jazztagen gefeiert. War die Resonanz am Freitag und Samstag noch überschaubar (die KRZ berichtete), sorgte das Duo Dauner // Dauner am Sonntagabend für ein volles SMTT-Odeon. Der legendäre Stuttgarter Pianist und sein Sohn enttäuschten die über 200 Zuhörer nicht.

VON BERND EPPLE

SINDELFINGEN. Wolfgang Dauner ist ein Urgestein der deutschen und internationalen Jazzszene. Die Liste der renommierten Musiker, mit denen der 79-jährige Pianist und Filmkomponist im Laufe seiner Musikerkarriere schon zusammengearbeitet hat, ist lang. Exemplarisch seien hier nur einige erwähnt, die ihn auf seinem Weg mit dem United Jazz and Rock Ensemble über viele Jahre begleitet haben: Charlie Mariano, Eberhard Weber, Jon Hiseman oder Albert Mangelsdorff sind Namen, die sich Jazzkenner auf der Zunge zergehen lassen.

Und Florian Dauner? Der Sohnemann saß schon in den 70er Jahren mit Teddybär unter Papas Flügel, wenn der Pianist mit United konzertierte. Er sog den Groove quasi bereits im Kleinkindalter ein. Besonders die Trommelkünste Hisemans scheinen ihn beeindruckt zu haben, er verschrieb sich schließlich dem Schlagzeugspiel. Durch sein Mitwirken bei "Die Fantastischen Vier" schlug er zwar andere musikalische Wege ein als der Vater. Dennoch lernte er in der Berklee School of Music in Boston gründlich das "Jazzhandwerk".

Und so kam, was irgendwann einmal kommen musste: Die beiden Ausnahmemusiker produzierten die gemeinsame CD "Dauner//Dauner". Seit Anfang März wird diese live in einigen deutschen Städten vorgestellt. Eine der letzten Stationen war nun Sindelfingen, womit der Abschluss der IG-Kultur-Jazztage gekrönt werden sollte.

Der Vereinsvorsitzende Ingo Liedtke gibt am Sonntagabend vor Konzertbeginn einen Rückblick auf 35 Jahre IG Kultur und heißt im gut gefüllten Odeon die Stars des Abends willkommen. Wolfgang Dauner, mit getönter Brille, wie man ihn kennt, erscheint in schwarz-rotem Nadelstreifenanzug und Baseball-Käppi, während Sohn Florian eher lässig mit Jeans und T-Shirt nachfolgt. Die Eröffnungsnummer "2012 plus 1" wirkt zunächst recht technisch und Florian Dauner begleitet diese komplexe Komposition zurückhaltend an seinem Drumset.

Altmeister Wolfgang Dauner begrüßt die Gäste und kündigt das nächste Stück an, das sein Freund Charlie Mariano einst aus Indien mitgebracht habe. Eine Raga mit weitem, offenem Beginn lässt Raum für solistische Ausflüge, dann kommen Melodiefetzen und Breaks, die den Fluss ein wenig unterbrechen. In der Folgenummer wird der elektronische Synthesizer vom Laptop auf Wolfgang Dauners Flügel eingespielt. Das Synthi-Solo wird vom Piano harmonisch umgarnt. Bisweilen wirkt es einlullend, gäbe es da nicht ein paar Überraschungseffekte mit "Hallo Wach"-Charakter. Dann kommen noch fast orchestral wirkende Klangmalereien hinzu, die Florian Dauner mit ein paar Hip-Hop-Beats garniert.

Übermäßiger Laptop-Einsatzvor der Pause wirft Fragen auf

Wolfgang Dauner kündigt "Who Let The Dog Out?" an und erklärt dem Publikum, es würde sich um einen ganz sanften Hund handeln und man müsste keine Angst haben. Elemente experimenteller Neuer Musik, Soundcollagen und flotte Drum-Beats bestimmen diese Nummer. Vor der Pause stellt Vater Dauner den Hund "Mr. Minky" nochmals vor. Jetzt kommt er eher freundlich und verspielt daher. Diesmal stammen die Melodien ausschließlich vom Laptop, und man fragt sich, warum Dauner seinen Synthesizer zu einem Livekonzert nicht mitgebracht hat. Er sitzt auf seinem Drehstuhl und lauscht genüsslich den Klängen seines Sohnes und der eingespielten Musik.

Wirft die erste Hälfte des Konzertes noch einige Fragen auf, wirkt Runde zwei insgesamt wesentlich homogener. "Wendekreis des Steinbocks", eine der bekanntesten älteren Kompositionen, besitzt meditativen Charakter. Die Melodieführung übernimmt vornehmlich die rechte Hand, die die fließenden Figuren der linken in den Bassbereich hinein übergreift. Florian Dauner begleitet dabei einfühlsam und setzt Akzente.

"11 Notizen" aus der aktuellen CD fließt auf aparte Weise. Eingeschobene Breaks und Synkopen geben Raum für interessante Schlagzeugfiguren. Die beiden Musiker harmonieren so schön, dass Florian Dauner ein wohlwollendes und stolzes Lächeln seines Vaters erntet. "My Funny Valentine" von Richard Rodgers steht auch eine bekannte Nummer aus dem American Songbook auf dem Programm. Die Dauners spielen sie mit viel Herz und zelebrieren musikalische Kommunikation auf höchster Ebene.

"Trans Tanz", eine weitere Paradenummer Wolfgang Dauners, bildet den Abschluss des Konzertes. Das Intro beinhaltet Anklänge an klassische Musik, die schließlich in jazzige Harmonien übergehen. Das erinnert an die Glanztage des United Jazz and Rock Ensembles, nur dass die Bläsersätze von lediglich zwei Instrumenten übernommen werden. Erstaunlicherweise gelingt das gut. Die beiden musizieren auch in rhythmisch diffizilen Parts sehr souverän miteinander. Nach dem Schlussakkord gibt es Standing Ovations. Dave Brubecks "Blue Rondo á la Turk" ist die erste von zwei Zugaben und ein schöner Abschluss für überaus gelungene Jazztage der IG Kultur.

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