Synchronhüpfen zu Gypsy-Rock

SZ / BZ

Erschienen am Dienstag, 13. Mai 2014

Anlass: Mahala Rai banda

Synchronhüpfen zu Gypsy-Rock
13.05.2014 - Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann

Es gibt sie nicht oft, die Abende im Sindelfinger Pavillon, an denen vom ersten Takt weg mitgetanzt wird. Beim Konzert von Mahala Rai Banda aus Bukarest war sitzen Sünde. Vom Grundschüler auf den Schultern des Papas bis zur Großmama ergaben sich die mehr als 200 Freunde bläserverstärkten Gypsy-Rocks in ein musikalisches Fitnessprogramm inklusive Synchronhüpfen mit dem zehnköpfigen Ensemble. Der Pavillon geriet da ganz schnell zum Schwitzkasten.

Die IG Kultur Sindelfingen/Böblingen liebt ihn, den mitreißenden Balkansound. Dass nach DJ Shantel und seinem Bukovina Club Orkestar und Äl Jawala nun die Mahala Rai Banda an der Calwer Brücke spielt, damit erfüllen sich die Veranstalter quasi einen lang gehegten Herzenswunsch. Schließlich sagt man sich, dass die Rumänen im Grunde erst dem Frankfurter Shantel den Weg für sein Bukovina-Projekt geebnet hätten. Sie sind also das Original, wenn man so will eine „Supergroup des Roma-Pop“, wie das Tourplakat verrät.

Am Vorabend hat die Mahala Rai Banda noch vor rund 800 Fans in Dortmund gespielt. Sänger Florentina Sandu traf deshalb mit einer leicht angekratzten Stimme in Sindelfingen ein und bekam von Musikerbetreuer Kai Venzlaff russischen Honig verabreicht. Viel Freude kam bei den Musikern wohl auch wegen der „Chocolate-Hospitality“ aus Waldenbuch auf. Die süße „Schmiere“ scheint Herrn Sandus Stimme gut getan zu haben. Mit Leidenschaft und sehnsuchtsvollem Ton singt er sich durch die von Liebe und Schmerz handelnden Gesangsnummern. Auf der Tanzfläche geht es dann zumeist etwas gemäßigter zu, aber nicht zwingend. Im Stück „Red Bull“ etwa besingen Mahala Rai Banda den Kick, den ein österreichischer Limonadenhersteller mit seinem klebrigen Industriegesöff verspricht.

Der Fahrplan der „edlen Musiker aus dem Ghetto“, so anscheinend die Übersetzung von Mahala Rai Banda, deren Saitenspieler- und Akkordeonistenfraktion aus einem südwestlichen Viertel der rumänischen Hauptstadt stammt, die Blechbläser hingegen aus dem Nordosten, sieht in Sachen Rhythmus und Tempo mal schneller mal langsamer vor. Die Abwechslung tut gut, denn auch auf der Tanzfläche will man ja mal verschnaufen können.

Schön sind auch immer wieder die choreografierten Einlagen der Musiker selbst. Gleich zu Beginn bewegen sie sich immer schön zwei Schritte nach rechts, zwei Schritte nach links, später schaffen sie es, zu einem funky nach James Brown klingenden Stück sogar das Publikum im Saal einheitlich zu bewegen, allerdings auch nur so lange, wie der Takt vorgezählt wird.

Dann bricht wieder ein wildes Gehopse und Getanze aus. Faszinierend jedenfalls, wie Mahala Rai Banda auf ihren lichterloh brennenden Beat-Teppich immer wieder auch Einflüsse anderer Kulturen zaubern, sei es Oriental Pop, Rumba, Reggae oder Funk. Hauptsache, es groovt und macht gute Laune.

Mahala Rai Banda haben den Pavillon aufgemischt.

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