Schmuckkästchen feiert Geburtstag

SZ / BZ

Erschienen am Samstag, 18. Februar 2012

Anlass: Start Frühjahrsstaffel 2012

Schmuckkästchen feiert Geburtstag
18.02.2012 - Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann

Die SZ/BZ hat sich mit dem langjährigen Vorsitzenden und heute als Kassier im Verein tätigen Albrecht Barth über die Entwicklung und Veränderungen der Spielstätte unterhalten.

Die IG Kultur hat ihr 25-jähriges Bestehen ja schon im Jahr 2005 gefeiert, gegründet wurde sie damals anlässlich der Sindelfinger Weihnachtssession. Wo machte der Kulturverein ursprünglich Programm?

Albrecht Barth (Bild: Stampe/A): „Die IG Kultur war ja zunächst ein loser Zusammenschluss von Menschen, die der Pop-Kommerzkultur ein nichtkommerzielles Programm mit Rock, Jazz, Folk, Kabarett und ähnlichem entgegen stellen wollten. Je nach dem von uns erwarteten Publikumszuspruch waren wir vor dem Einzug in den Pavillon in fast allen geeigneten Hallen und Sälen in Sindelfingen und Maichingen zu Gast, darunter dem lange schon abgerissenen Wolboldheim, das damals der billigste anmietbare Raum für Veranstaltungen war. 1981 bis zu ihrem Abriss zwei Jahre später war die ‚Kulturfabrik Concordia’ in Maichingen Mittelpunkt der Aktivitäten. Dann schloss sich die IG Kultur für größere Events mit Jugendhaus und Stadtjugendring zusammen.“

Mit einem versifften grünen Nadelfilzboden Barth über den Pavillon anno 1987

Wie sah diese Kooperation aus?

Albrecht Barth: „Wir haben Mitte der 80er Jahre gemeinsam das Projekt eines ‚Jugendkulturzentrums’ entwickelt, zunächst für die ‚Spültischfabrik Burger’ beim heutigen Ikea, später für den Gasthof Stern. Namentlich dafür stark gemacht haben sich Manfred Zöller von der IG Kultur, auf Jugendhausseite der Vorsitzende Klaus Philippscheck und ich als pädagogischer Mitarbeiter. Aus dem Stadtjugendring die damalige Geschäftsführerin Isolde Lempp und Vorstandsmitglied Thomas Wagner. Die von ihm mitinitiierte Tanzparty ‚SaTaChaRu’ ist übrigens heute noch Bestandteil unseres Programms.

Wie entstanden die ersten Programme?

Albrecht Barth: „Als dem Jugendhaus der Pavillon für eine Übergangszeit – laut Stadtverwaltung sollten es eineinhalb Jahre sein – zur Verfügung gestellt wurde, haben die Projektpartner ein beispielhaftes Programm für das geplante Jugendkulturzentrum aufgestellt. Der Pavillon gehörte ursprünglich ja zur Musikschule in der Villa Wittmann. Nach deren Umzug stand er die halbe Woche leer und so bekam ihn das Jugendhaus Mitte zur Verfügung gestellt. Es gab sowohl Veranstaltungen in Eigenverantwortung wie auch gemeinsame. Das Gesamtprogramm wurde unter dem Namen ‚Kultur im Pavillon’ mit Programmheft und Plakat präsentiert. Mit der Schließung des Jugendhaus Mitte fiel 1993 der erste Kooperationspartner weg, wenig später stieg auch der Stadtjugendring aus. Somit ist die IG Kultur seit etwa 1994 der alleinige Träger.“

Im neuen Programmheft ist der Pavillon als Schmuckkästchen beschrieben. Das ist er ja wohl erst nach und nach geworden, oder?

Albrecht Barth: „Der nackte Saal präsentierte sich damals mit einem versifften grünen Nadelfilzboden, dafür ohne Nebenräume, Bühnenbeleuchtung und Foyer. Zum Start spendierte die Stadt sechs Scheinwerfer nebst Aufhängung sowie zehn Klapptische, das Jugendhaus brachte zwei Gesangsboxen und ein paar Mikrofone mit. Ich stellte mein privates Mischpult, Verstärker und weitere Mikrofone zur Verfügung. Nach und nach konnte die IG Kultur dann aus Landesmitteln eine ständig wachsende technische Ausstattung und Bühne finanzieren.“

Dabei blieb es nicht, oder?

Albrecht Barth: „Der erste große Umbau erfolgte Anfang der 90er Jahre unter Federführung des Stadtjugendrings. Damals wurde ein Parkettboden verlegt, die Bühne mit Nebenräumen an heutiger Stelle gebaut und ein Foyer geschaffen. Später kamen noch ein Getränkelagerschrank, eine neue Theke und ein Stuhllager hinzu. In der zweiten Hälfte der Nullerjahre erhielt das Foyer seinen heutigen Charakter, in den letzten beiden Jahren veränderten die neuen Traversenkonstruktionen das Erscheinungsbild des Saals. Und jetzt erst, während der Winterpause, hat die Stadt den Parkettboden saniert, wurde von uns der Backstageraum entrümpelt und renoviert. Mit einem neuen visuellen Erscheinungsbild starten wir unser Frühjahrsprogramm. Dazu gehört auch ein neues Logo, das außen mit Banner und Fahnen auf den Pavillon hinweisen soll.“

Welche Band durfte denn vor 25 Jahren als erstes auf die Bühne? Und welche Künstler standen seitdem am häufigsten vorne?

Albrecht Barth: „Das waren die damals angesagte Sindelfinger Band ‚One Music’ sowie Artisten der Gruppe ‚Zunder und Doria’. Der Eröffnungsabend endete mit einem Kinofilm. Die häufigsten Gäste? Schwierig, vielleicht der Herrenberger Jazzpianist Martin Johnson mit verschiedensten Besetzungen. Er kommt auch im Herbst wieder zum 30-jährigen Common-Sense-Bandjubiläum. Stammgast war sicher auch die Sindelfinger Punkband ‚Mädels no Mädels’ um Hari Belaforte, Oli Senf und deren Vorgängergruppen. Bald wird auch die AC/DC-Coverband ‚Big Balls’ zu den Top Fünf zählen. Drei Mal aufgetreten sind ‚Fools Garden’, allerdings noch vor deren großem Hype.“

Vor 25 Jahren konnte die Stadt noch aus einer vollen Kasse schöpfen, heute muss gespart werden. Mit welchen Zuschüssen kann die IG Kultur heute von städtischer Seite aus kalkulieren?

Albrecht Barth: „Weil damals ja drei Vereine das Programm im Pavillon gemeinsam bestritten, standen uns in unseren besten Zeiten 80 000 Mark zur Verfügung. Das hat sich auch im Engagement namhafter Künstler bemerkbar gemacht. Vor allem auch im Bereich Theater und Kabarett, deren Künstler sich heute kaum mehr kostendeckend buchen lassen. Klaus Birk und Bernd Kohlhepp waren als Duo Vis-à-Vis zu Gast, aber auch Christoph Sonntag. Seit zehn Jahren beträgt der städtische Zuschuss zu unserem Programm nur noch 6000 Euro.“

Das Frühjahrsprogramm im Pavillon Sindelfingen beginnt am Samstag, 25. Februar, 20.30 Uhr, mit einem Solo-Konzert des Deutschrock-Poeten Wolf Maahn. Karten und das komplette Programm unter www.igkultur.de im Internet.

Einer von vielen Höhepunkten in 25 Jahren Pavillon-Geschichte der IG Kultur: Der 2009 verstorbene Saxofonist Charlie Mariano und Bassist Dieter Ilg bei ihrem Auftritt in Sindelfingen am 28. April 2007.

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