Sangeskunst und Comedy

SZ / BZ

Erschienen am Mittwoch, 28. Mai 2014

Anlass: Hard Chor

Sangeskunst und Comedy
28.05.2014 - Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden

Angeführt von ihrem Dirigenten marschiert die 14 Köpfe starke Männerschar mit der Melodie zu „Funicoli, Funicola“ auf den Lippen in den Saal, unterlegt mit einem deutschen Text „Hallo, wir sind der Hardchor!“. Klingt nicht nur wie Karnevalsverein, sondern sieht auch so aus. Die Crew ist bemützt mit kleinen Narrenkäppchen, macht rhythmisch Winke-Winke und Chorchef Bentgens sorgt für Regen mit Konfetti aus seiner Jackett-Tasche.

Wie der Abend dann zeigt: Klamauk einerseits ist bei dem seit mehr als 25 Jahren bestehenden Ensemble Programm. Wenn nicht Bernhard Bentgens mit dem Publikum blödelt, so machen zwischen den Stücken viele einzelne der Sänger Ansagen am Mikro. Kein Gestotter, kein Abgelese, nein, das ist geschliffene, absolut bühnentaugliche Comedy mit teils verblüffend komödiantisch begabten Akteuren.

Andererseits besteht kein Zweifel, dass hier auf hochklassige Sangeskunst allerhöchsten Wert gelegt wird. Der komplett auswendig singende „Hard-Chor“ deklamiert nicht nur wie ein Mann selbst in rasanten Tutti-Parlando-Passagen, das Ensemble pflegt und beherrscht auch alle Tugenden, die man sich von klassischem Chorgesang wünscht. Bei sehr anspruchsvollen Arrangements wie „Sway“ lassen sich indes auch die ganz klassischen Probleme von A-cappella-Chorgesang nicht immer überhören, auch mutet der Chor seiner Bassabteilung mitunter etwas viel Tiefgang zu.

Allerdings offenbart sich früh im Pavillon, dass hier einzelne Sänger die Reihen aufforsten, die auch mühelos vor einer Rockband ein Publikum in Ekstase versetzen könnten, etwa Tenor Peter Saueressig, der nicht nur mit dem Tom Jones-Hit „Delilah“ Divenqualitäten vom Schlage eines Freddy Mercury an den Tag legt.

Dank der Akteure, die alle Laiensänger sind, dank eines sangesfreudigen, durch Dirigent Bentgens recht leicht zu animierenden Publikums, aber auch dank eines Songprogramms, bei dem „Alles ist erlaubt“ das Motto scheint, ein Kracherabend. Etwa hälftig speist sich dabei das Repertoire aus Bearbeitungen bekannter Stücke, darunter ein klasse abrockendes „Radar Love“, ein kribbelndes „Kiss“ von Prince oder Schlagerverballhornungen wie „Eine neue Leber ist wie ein neues Leben“ und „Scheene Maid“ mit Bassist Bernhard Heuvelmann in radebrechendem Polnischdeutsch.

Die übrige unbekannte, vor Wortwitz und Komik sprühende Hälfte der Songs hat Dirigent Bentgens selbst verfasst.

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