Mahala Rai feiert Party im Balkan-Stil

KREISZEITUNG Böblinger Bote

Erschienen am Montag, 12. Mai 2014

Anlass: Mahala Rai Banda

Die rumänische Bläserkombo verbreitete Lebensfreude pur im Sindelfinger Pavillon
Von Bernd Epple
SINDELFINGEN. Keine Bestuhlung im Sindelfinger Pavillon? Die Macher der IG Kultur wussten wohl schon genau, was am Samstagabend von der rumänischen Gypsy-Kapelle Mahala Rai Banda zu erwarten war. Die Freunde der etwas anderen Blasmusik konnten diese Band ja schon beim ersten Böblinger Big Sounds 2012 erleben und so gab es unter den Besuchern wohl auch den ein oder anderen Wiederholungstäter, der sich den Abend nach einer mehrwöchigen Tour der Formation durch Deutschland und weitere europäische Länder nicht entgehen lassen wollte.
Die Musiker füllen nach und nach die Bühne, angeführt vom Gitarristen, der mit einem Reggae-Groove mit Off-Beat-Betonung andeutet, was da noch kommen sollte. Schon jetzt sind die ersten Körperzuckungen im Publikum auszumachen. Es folgt die Bläser-Section mit Posaune, Alt- und Tenorsaxofon. Als auch die restliche Combo mit großer Trommel, E-Bass, Akkordeon, Geige das Bühnenbild ergänzt und der Schlagzeuger hinter seiner Schießbude Platz genommen hat, gibt es kein Halten mehr. Die zehnköpfige Band bewegt sich gemeinsam ein paar Schritte erst nach rechts, dann nach links und bringt mit ihren treibenden Beats den ganzen Saal mit in Bewegung.
Nach dieser ersten Nummer, von Unisono-Bläsersätzen und spielerischem Tonartwechsel durchzogen, macht der Bandleader und Geiger auch gleich unmissverständlich klar, dass es hier nicht um ein Konzert mit lauschenden Zuhörern gehen konnte, sondern um Party. „We want to make a big party!“ verkündet er in südeuropäisch klingendem Englisch. Mit „wir da oben und ihr da unten“ hatte diese Veranstaltung also gar nichts zu tun. Im Gegenteil; immer wieder mischen sich die einzelnen Musiker unter die Tanzenden, lassen damit Nähe und das Gefühl zu, Teil des Ganzen zu sein.
So wird ein „shiggy da ba“, das der Sänger ins Publikum wirft, begeistert zurück geschickt, rhythmische Pfiffe und Klatscher spontan erwidert. In den Bewegungen der Tanzenden sind die Altersunterschiede vom Studenten bis zum Rentner kaum zu bemerken; dieser Groove bringt einfach jede Socke zum Qualmen. Selbst bei Stücken mit Hip-Hop-artigem Sprechgesang schwingen Zuhörer jeden Alters ihre Hüften.
Überhaupt lässt es sich stilistisch nicht über einen Kamm scheren, was die Musiker an musikalischem Feuerwerk abfackeln. Egal ob Ska-, Reggae-, Jazz-, Funk oder Latin-Elemente zu hören sind, als Grundlage dienen traditionelle Weisen der rumänischen Zigeuner, die Mahala Rai Banda in neue Gewänder gesteckt hat. Nach der Pause locken jazzig aufgelöste Gitarrenriffs die Besucher wieder in den Saal zurück. Der Sänger intoniert dazu Gesangsphrasen, die an einen Muezzin erinnern, wenn er die Gläubigen zum Gebet ruft. Es folgt die Erklärung, dass es sich um einen Gypsy-Love/Corazon/Soul-Song gehandelt hätte.
Inzwischen befinden sich wieder alle Gäste im Saal und alle Musiker auf der Bühne. Der Tanz kann weitergehen. Dazu wird mit einer überberstenden Spielfreude das Tempo mächtig hochgekurbelt, der Bassist reitet dabei seinen Bass wie ein Jockey sein Rennpferd und die Stimmung kocht sofort wieder auf Hochtouren. Der Rest des Abends ist Party, Party, Party.
Am Ende herrscht fast eine Stadionatmosphäre, wie man sie nach einem Heimsieg des angefeuerten Fußballvereins erleben kann. Nur, dass im Gegensatz dazu noch nicht Schluss sein musste. Natürlich bleiben die „Zugabe-, Zugabe-Rufe“ nicht unerhört und Mahala Rai Banda zeigen nochmal, was sie drauf haben. Der Geiger traktiert im Wahnsinnstempo sein Instrument, zieht einen Ton so weit nach oben, dass ihm nur das Ende des Geigenhalses Einhalt gebieten kann und die Bläsersätze kommen scharf und punktgenau wie schon am gesamten Abend. Die zweite Zugabe beginnt mit dem Jazzstandard „Caravan“, der aber bald schon in eine Balkanversion á la Mahala Rai Banda mutiert. Danach ist dann endgültig Schluss, auch wenn so manche schweißgebadeten Tänzer die Party gerne bis in den frühen Morgen fortgesetzt hätten.

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