"Kino mit Anspruch war hier möglich"

KREISZEITUNG Böblinger Bote

Erschienen am Freitag, 13. September 2013

Anlass: Filmwoche

SINDELFINGEN (krü). Bei der IG-Kultur-Filmreihe im ehemaligen Central-Kino am Marktplatz darf er nicht fehlen: Klaus Pellkofer, der das Filmtheater in den 70ern und 80ern insgesamt 13 Jahre lang betrieben hat. Und diese Zeit war die erfolgreichste der rund 45-jährigen Kinogeschichte. Natürlich hat der 73-Jährige eine Menge zu erzählen.

1955 war das Central-Kino vom Unternehmer Erich Eppler gebaut worden, es gab rund 450 Sitzplätze. "Damals hatte man engere Reihen", bemerkt Pellkofer. Ebenfalls in den 50er Jahren hatte die Böblinger Kinofamilie Bauer zudem ein Filmtheater in der Sindelfinger Gartenstraße (gegenüber der Post) eingerichtet, Eppler wiederum unterhielt das Metropol-Kino in Böblingen. "Anfang der 60er Jahre wurden die Kinos getauscht, dann war Eppler allein in Sindelfingen und Bauer in Böblingen."

Bei Klaus Pellkofer zündete der Kino-Funke im Alter von zwölf Jahren: "Da war eine Baugrube in Göppingen. Und als ich hörte, das wird ein Kino, war mir klar: Das interessiert mich." Der Jugendliche ließ nicht locker und bekam Jobs: "Ich habe Karten abgerissen, Schaukästen dekoriert und die Filme mit dem Fahrrad vom Bahnhof geholt", erzählt der Cineast. Dann half er beim Vorführen aus, der Grundstein war gelegt.

1964 kam Pellkofer nach Sindelfingen, interessierte sich aber anfangs kaum für das Kino vor Ort. Doch Mitte der 70er Jahre wurde ein Betreiber für das Central-Kino gesucht. "Da bin ich hin, und hatte das zwei Stunden später an der Backe." Unter Pellkofer blühte das Central auf, obwohl er weiter als Versicherungsangestellter in Stuttgart arbeitete.

Nach dem Kino-Umbau standen zwei Säle zur Verfügung - mit 220 und 90 Sitzplätzen. Und nun liefen bei Pellkofer jährlich 400 Filme, Frau und Tochter halfen häufig mit. Es gab den Jugendfilmclub, den "Besonderen Film" oder das Kinderkino - und zudem richtig lange Filmnächte. "Anfang der 80er Jahre habe ich mal die ersten drei Star-Wars-Teile gezeigt, von 23 Uhr bis 6 Uhr morgens", erzählt Pellkofer schmunzelnd, "wir waren mit 230 Besuchern ausverkauft." Und man habe bis in den Vormittag hinein über den Film gesprochen. "Ich habe gezeigt, dass man in Sindelfingen anspruchsvolles Kino machen kann, und die Leute trotzdem kommen."

Klaus Pellkofer ist nach wie vor "kinoverrückt". Das Central-Kino gab er zwar 1988 auf, doch er geht weiterhin oft ins Kino und schreibt unter http://www.diefilmecke.de im Internet Kritiken. "Ich habe rund 30000 Filme in meinem Leben gesehen", sagt er, "und es werden sicher noch ein paar mehr."

Newsletter

Unser Programm gibt es auch monatlich als Newsletter per E-Mail. Einfach hier eintragen!