Headbangen zu Cello und Geige

SZ / BZ

Erschienen am Mittwoch, 15. Februar 2017

Anlass: Carpe Noctem 11.02.2017

Sindelfingen: Klassik-Metal mit Carpe Noctem im Pavillon
Headbangen zu Cello und Geige

Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber

Mit ihrer Fusion aus Klassik und Heavy Metal hat die Formation Carpe Noctem aus Jena den Sindelfinger Kultur-Pavillon gerockt. Und dabei den Beweis angetreten, dass sich auch zu Geige und Cello prima Headbangen lässt.

„String Metal“ nennen Carpe Noctem ihren Sound, den sie hier in der Gegend bislang nur auf dem Straßenmusikfestival in Ludwigsburg präsentiert haben. Mit einem Saalkonzert sind die fünf Musiker aus Jena als Gäste der Sindelfinger IG Kultur in der Region zum ersten Mal zu hören.

Das Konzept erinnert an die Band Coppelius, die ebenfalls bereits im Sindelfinger Kultur-Pavillon zu hören war: Mit Geige (Bandleader Friedrich Busch), zweimal Cello (Cornelius Wagner und Martin Streicher), Bass (Sascha Dobschal) und Schlagzeug (Daniel Cebulla) nutzen Carpe Noctem eine teilweise aus der klassischen Musik entlehnte Instrumentierung, um damit Kompositionen zu servieren, die der Zuhörer eigentlich mit elektrischen Gitarren assoziiert.

Anders als bei Coppelius kommt die Musik von Carpe Noctem rein instrumental daher. Auf ihrem 2016 erschienenen Album „Schattensaiten“ arbeiten die Musiker aus Jena zwar mit Gastsängern zusammen, unter anderem mit Bastille von Coppelius. Live verzichten Carpe Noctem jedoch darauf. Und das tut der Musik erstaunlich gut. Denn so kommen die Kompositionen in ihrer vollen Klarheit zur Geltung. Und die haben es in sich.

Wer es noch nicht wusste, dass es sich bei Heavy Metal um eine der Stilrichtungen der Popmusik mit den anspruchsvollsten Arrangements und Kompositionen handelt, bekommt bei einem Auftritt von Carpe Noctem einen Nachhilfekurs serviert. Kaum eine andere popmusikalische Stilrichtung spielt so ausgeklügelt mit dem Kontrast von melancholischer Getragenheit und kompromissloser Härte, mit dem Wechsel der Geschwindigkeiten und Stimmungsbilder.

Wird das Ganze nun mit Geige und Cello statt mit E-Gitarren auf die Bühne gebracht, tritt diese Fleißarbeit beim Aufbau der Stücke umso deutlicher hervor. Und trotzdem brettert die Musik von Carpe Noctem ordentlich durch. Nach anfänglichem Fremdeln vor der ungewöhnlichen Instrumentierung ergibt sich beim Zuhörer nach ein paar Stücken ein erstaunlicher Effekt: Die Instrumentierung scheint nicht nur speziell für die Kompositionen von Friedrich Busch schlüssig, sondern insgesamt für die Musikrichtung Heavy Metal. Headbangen lässt sich auch zu Cello und Geige. Auch, wenn Cellisten ihren Fuß nicht mal eben auf die Monitor-Box stellen können.

Mit traditionellem Achtzigerjahre Metal leitet die Band Licence in den Abend ein. „Female Fronted Rock“ ist das Markenzeichen der Ingersheimer Band. Jacky Coke nennt sich schlüssigerweise die Sängerin, die mit veritabler Rock-Röhre die Zuschauer zum Mitsingen bringt. Eingängige Melodien, Fuß auf der Monitor-Box, gereckte Faust, Refrains zum Mitgröhlen: Manchmal sind es die einfachen Rezepte, die eine spaßige Retro-Reise in vergangene Jahrzehnte versprechen.

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