Giftige Texte und heiße Latino-Rhythmen

KREISZEITUNG Böblinger Bote

Erschienen am Montag, 8. April 2013

Anlass: La Papa Verde

Die Mestizo-Band La Papa Verde heizte rund 80 Gästen im Sindelfinger Pavillon ein

Etwas schleppend ging es am Samstagabend im Pavillon beim Auftritt des internationalen Quartetts La Papa Verde aus Köln zu. Das Publikum musste von der Band nach und nach aus der Reserve gelockt werden, ehe losgelöst getanzt, geklatscht und gesungen wurde.

Von Florian Lieb

SINDELFINGEN. "Ich bin ganz zufrieden", war Ingo Liedtke, Vorsitzender der IG Kultur, ob der Resonanz dennoch erfreut. Eher schleppend war bereits der Vorverkauf für La Papa Verde gelaufen. "Nach dem hatten wir eigentlich mit weniger Leuten gerechnet", sagte Jörg Hamm, stellvertretender Vorsitzender der IG Kultur, noch vor dem Auftritt des Kölner Quartetts. Rund 50 Gäste hatten sich zu diesem Zeitpunkt in die ehemalige Musikschule eingefunden, später sollten es jedoch nochmals knapp 30 mehr sein. Das Publikum musste also aus der Reserve gelockt werden, einem gut gelaunten Abend stand danach nichts mehr im Weg.

Den Verdienst hierfür verdiente sich die international besetzte Mestizo-Band selbst, so wie die Bandmitglieder um Gitarrist und Sänger Josué Avalos das Publikum anheizten. "Ihr könnt gerne aufstehen und tanzen", stachelte sie Avalos direkt nach dem ersten Stück in Hinblick auf die freie Tanzfläche an. "Es sieht so leer aus." Dem Ruf folgten dann zwar nur drei mutige Damen, doch noch gaben die Kölner nicht auf. Ihr drittes Stück kündigten die Jungs dann per Telefoneinspieler an. "Wer kennt dieses Lied?", wollte Schlagzeuger Augusto Stahlke wissen.

Scheinbar waren die Zuhörer aber mit "Ich verstehen nicht kann" nicht vertraut, was Avalos immerhin zum Lachen brachte. Und das Publikum anschließend zum Mitklatschen. Langsam schien es aufzutauen - und der Sänger hakte nach. "Wenn ihr so gut tanzen könnt, wie ihr klatscht", mutmaßte er, "werden wir einen wunderbaren Tanzabend haben". Womöglich auch weil nun die restlichen Nachzügler angekommen waren, explodierte die Tanzfläche plötzlich und versechsfachte die Zahl der Tanzenden. Spätestens jetzt war der Bann gebrochen und die Stimmung im Pavillon so lebensfroh und gut gelaunt wie die lateinamerikanischen Rhythmen.

"Man sieht, dass gute Stimmung herrscht und viele tanzen", bemerkte Ingo Liedtke in der Pause. "Und das wollten wir ja." Mit den rund 80 anwesenden Gästen war der Pavillon am Samstag fast genauso gut besucht wie zuletzt bei der Blues Revolution. Die lockte sogar 100 Personen an - dabei fand sie zeitgleich zur Polarnacht statt. Laut der IG Kultur nimmt die Besuchertendenz ohnehin seit vergangenem Herbst kontinuierlich zu. "Man merkt halt, dass wir die entsprechende Qualität haben", sagte Liedtke. Auch wenn der Vorsitzende feststellt, dass der Pavillon immer noch vielen Sindelfingern als Veranstaltungsort unbekannt ist.

Wider erwarten lockte La Papa Verde mit seinem Mestizo-Sound, einer Melange aus Punk, Rock, Reggae und Rap mit lateinamerikanischen Rhythmen, kaum Menschen unter 30 in den Pavillon. Ob jung oder etwas älter spielte auch keine Rolle, als das internationale Quartett beschwingt und energiegeladen ihren Mix aus kolumbianischer Cumbia, karibischer Rumba und Raggamuffin über die Bühne jagte. Auf die Ohren gab es dabei nicht nur Klassiker wie "Ich verstehen nicht kann" oder das nach der Band benannte Stück "La papa verde", sondern natürlich auch Songs des neuen Albums "Al Remo", dessen CD-Tour in Sindelfingen begann.

Texte so giftig wie grüne Kartoffeln

Ihrem Namen wurde La Papa Verde, deren Texte so kritisch und giftig sein sollen wie die oberhalb der Erde wachsenden grünen Kartoffeln, durchaus gerecht. So besangen sie in Spanisch den von US-Präsident George W. Bush losgetretenen Irakkrieg genauso wie den in Mexiko vorherrschenden Drogenkrieg. "Das ist ein Problem, das alle involviert", prangerte der gebürtige Mexikaner Avalos an, der seit über zehn Jahren in Köln heimisch ist. Dass der spanische Textinhalt beim Großteil des Publikums wohl verloren ging war angesichts der losgelösten Stimmung sicherlich halb so wild. Gerade nach der Pause wurden die Stücke der Band nochmals energiegeladener und die Darbietung wanderte mehr in den Rap-Bereich.

In dieser Woche will die IG Kultur dann erste Überlegungen tätigen, welche Bands beim Sommer-Fest am 27. Juli auftreten sollen. Geht es nach dem Verein, soll dieses gerne auf dem Marktplatz stattfinden - insofern es die Stadt genehmigt. Sicher ist da bereits, dass nachdem zuletzt eher der Blues regierte, der Herbst 2013 rockiger daherkommen soll. Damit das neue und aus einem Übertragungswagen ausgebaute Mischpult genauso ausgereizt wird, wie das neue Bühnenpodium. "Wir haben jetzt hier viel mehr Möglichkeiten", freute sich Liedtke. Der Pavillon, so scheint es, blickt momentan also durchaus rosigen Zeiten entgegen.

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