„Für mich ist Jazz ein Ventil“

SZ / BZ

Erschienen am Freitag, 27. März 2015

Anlass: Dauner // Dauner am 29.03.2015 im Odeon

SZ/BZ-Kulturgespräch: Schlagzeuger Flo Dauner über alte Zeiten und das Konzert mit Vater Wolfgang Dauner am Sonntag in Sindelfingen

Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann

Seit mehr als 20 Jahren ist Florian Dauner Schlagzeuger der Hip-Hop-Band „Die Fantastischen Vier“, er trommelt für „The Voice of Germany“ und hat vergangenes Jahr zusammen mit seinem Vater Wolfgang Dauner ein Duo-Album aufgenommen. Am Sonntag sind sie um 20 Uhr zu Gast bei der IG Kultur Sindelfingen/Böblingen im Odeon der Musikschule.
Die SZ/BZ hat sich vorab mit dem 1971 in Stuttgart geborenen Drummer über alte Zeiten und neue Erfahrungen unterhalten.

Können Sie sich noch daran erinnern, vor exakt 20 Jahren schon einmal von der IG Kultur Sindelfingen zu einem Konzert eingeladen worden zu sein? „Inside Looking Out“ hieß die Band damals.

Flo Dauner: „An den Auftrittsort selbst habe ich keine Erinnerung, an die Band aber insofern, als sie eines meiner ersten eigenen Projekte zu Beginn meiner professionellen Laufbahn war. Wir haben damals auch eine Platte aufgenommen.

Mit dabei waren Rainer Apel, ein Gitarrist vom Bodensee und Bassist Markus Kössler, wir waren ein klassisches Jazz-Gitarren-Trio und wollten klingen wie John Scofield. Markus ist heute der Musiker, mit dem ich am längsten zusammenarbeite. Auch er spielt bei den Fantas. Erst diese Woche erst standen wir in Leipzig auf der Bühne.“

Über „Die Fantastischen Vier“ kennen Sie sicher den Herrenberger Arrangeur und Pianisten Martin Johnson. Interessant, dass sich auch sein Sohn Lucas für das Schlagzeug entschieden hat.

Flo Dauner: „Mit Martin Johnson hatte ich sogar schon vor den Fanta Vier zu tun. Zum einen haben wir Anfang/Mitte der 1990er-Jahre mal in einer Top-40-Band mit Armin Sabol und Paul Harriman zusammengespielt, einer Coverband mit hochkarätigen Musikern. Zum anderen gab es ein Projekt mit dem Stuttgarter Udo Schöbel und seiner Gummi-Soul-Band, später haben wir mit ihm auf der ersten Solo-Platte von Thomas D. mitgewirkt. Über diesen Weg ergab es sich, dass Martin Johnson Streicherarrangements für die Fantas schrieb.“

Was hat bei Ihnen damals zur Wahl des Instrumentes geführt?

Flo Dauner: „Durch meinen Vater bin ich mit Jazz aufgewachsen, konnte mit zehn Jahren auch schon Jazzstandards spielen. Als ich anfing, bewusster Musik zu hören, war ich trotz dieses Backgrounds ein absolut normales Kind, habe mit meinen Kumpels das gehört, was alle gehört haben und wollte selbstverständlich auch in einer Rockband und am besten im Stadion spielen.

Bei mir war es so, dass ich mit vier, fünf Jahren mit meinem Vater als Lehrer das Klavierspielen begonnen habe, was aber nicht funktioniert und mir keinen Spaß gemacht hat. Dann gab es dieses Schlüsselerlebnis, als ich als Sechsjähriger beim ersten Konzert des United Jazz & Rock Ensembles 1977 im Schützenhaus Stuttgart unter dem Flügel meines Vaters saß und Jon Hiseman beobachtet habe. Danach wollte ich Schlagzeug spielen.“
Gibt es Ihrer Meinung nach eine Erklärung, warum viele Söhne von Musikern Schlagzeug spielen?

Flo Dauner: „Sogar Söhne von Vätern, die berühmte Schlagzeuger waren, müsste man ergänzen. Die berühmtesten Beispiele sind sicher John Paul und Jason Bonham sowie Ringo Starr und Zak Starkey. Spontan fällt mir aus meinem eigenen Umfeld Lillo Scrimali ein, der Keyboarder bei den Fantas. Bei ihm trommeln zwei seiner Söhne. Vielleicht liegt es daran, dass sich beim Schlagzeugspiel schneller ein Erfolgserlebnis als bei einem anderen Instrument einstellt. Außerdem ist es laut und für ein Kind oder einen Jugendlichen imposant.“

Fiel Ihre Entscheidung, sich musikalisch im Pop-Bereich zu bewegen, bewusst, vielleicht auch als Abkehr vom Weg des Vaters?

Flo Dauner: „Entscheidend war vielleicht eher, dass ich durch die Wahl eines anderen Instrumentes mit meinem Vater musizieren konnte, ohne dass er mir direkt hätte sagen können, was ich anders machen soll. Beim Jazz hat mich immer die Ausdrucksweise am Schlagzeug fasziniert, und dass es sich nicht nur auf den Groove reduzieren lässt. Für mich ist der Jazz wie ein Ventil, um, auf Deutsch gesagt, die Sau rauslassen und frei spielen zu können.

Das war mir als Musiker immer wichtig, auch wenn in mir beide Herzen schlagen. Deshalb funktioniert auch das Duo mit meinem Vater so gut. Er ist wie ich musikalisch offen und hat in seiner langen Karriere viele unterschiedliche Dinge gemacht, nicht nur klassisch und Jazz, sondern auch mit Rock- und Popmusik. Über Stilistik gibt es deshalb bei uns keine Diskussion. Für uns ist alles Musik und jenseits von Schubladen.“

Aktuell touren Sie mit Ihrem Vater. Wie fühlt sich das an? Welches war überhaupt der erste Auftritt mit Ihrem Vater?

Für uns ist alles Musik und jenseits von Schubladen

Flo Dauner: „Der allererste öffentliche Auftritt war während meiner Zeit auf dem Gymnasium, da müsste ich zehn oder elf Jahre alt gewesen sein. Wir haben aber auch vorher schon Hauskonzerte gespielt, deswegen sage ich gerne, Dauner und Dauner gibt es schon, seit ich sechs Jahre alt war.

Aktuell sind wir seit Mitte Februar auf Tour, und je öfter wir auf der Bühne stehen, umso besser wird’s, vor allem was den Einsatz mit Elektronik nach über 20 Jahren für meinen Vater betrifft. Die Leute finden es jedenfalls ganz toll, auch wenn der Sound aus nur Klavier und Schlagzeug ohne Bass als bindendem Glied und weichem Bett vom Zuhörer einiges fordert.“

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