Frotzeleien sind ihr Markenzeichen

KREISZEITUNG Böblinger Bote

Erschienen am Donnerstag, 3. April 2014

Anlass: Grachmusikoff

Die Schwoba-Rocker von Grachmusikoff haben im Pavillon in Sindelfingen über 200 Besucher begeistert

Von Robert Krülle

SINDELFINGEN. Manches Mal muss man doch kurz stutzen. Wenn die Zwillingsbrüder Alex und Georg Köberlein - seit 1978 mit Gitarrist Hansi Fink die Köpfe von Grachmusikoff - live auf der Bühne übereinander herziehen, fallen deftige Worte, bei denen manch ein Zuhörer rote Ohren bekommt. Da wird geschimpft und gebruddelt, da lässt man aneinander kein gutes Haar. Doch das gehört fest zum Programm und kommt bei den Fans genauso gut an wie all die schwäbischen Rock-, Blues- und Blödelsongs, mit denen Grachmusikoff nach wie vor unterwegs sind - und das immer noch mit großem Erfolg. Beim Konzert am vergangenen Samstag kamen weit über 200 Besucher in den somit proppenvollen Pavillon in Sindelfingen. "Wir waren selbst etwas erstaunt", sagt Georg Köberlein hinterher, "aber uns freut's natürlich."

Und die "Gracs" geben sich kaum eine Blöße. Vom ersten Moment an ist das Quintett voll da, spielt sowohl feinfühlige Mundart-Balladen wie gesellschaftskritische Protestsongs und hintersinnig-ironische Rockkracher mit großem Verve. "I ben Choleriker!", schreit Georg Köberlein beim gleichnamigen Song ins Mikro - und alle Zuhörer glauben das gerne, wenn auch mit einem breiten Grinsen.

Auch wenn sich manch einer der inzwischen zum Teil über 60-jährigen Musiker nur schwerfällig über die Bühne bewegt, in Sachen Musikalität, Witz und Live-Präsenz setzen Grachmusikoff immer noch Maßstäbe - nicht zuletzt weil exquisite Instrumentalisten relativ neu hinzugestoßen sind. Der vergleichsweise junge Schlagzeuger Martin Mohr ist schon ein Weilchen dabei, erst seit 2012 aber zupft Paul Harriman den Bass und hat die Gruppe nach weit mehr als 30 Bandjahren noch einmal in eine neue Sphäre katapultiert. Was der Engländer alles am Viersaiter anstellt, hat höchste Qualität.

Im Vordergrund steht aber das Gesamtpaket: Die Köberleins erzählen allerlei zotige Geschichten aus ihrer Heimat rund um Bad Schussenried, reißen unentwegt schwäbische Sprüche oder erzählen aus dem reichen Anekdoten-Fundus der Band. Dabei steht dem Konzert gut zu Gesicht, dass das Quintett nicht nur auf dem ewig Gleichen herumreitet. Nach der Pause gibt es einige neue Songs: "Scheiß-Erinnerung" oder "Peschel Adam" sind erst zuletzt entstanden und auch hartgesottenen Fans unbekannt.

Immer wieder - und gegen Ende des Konzerts zunehmend - spielen die Lieder von Schwoißfuaß eine Rolle. Mit dieser Schwoba-Rockband hatte Alex Köberlein in den 80er Jahren Riesenerfolge, die bekanntesten Stücke gehören auch bei Grachmusikoff zum festen Repertoire und werden von den Fans geliebt. An "Rastaman" oder "Paule Popstar" und natürlich dem unvermeidlichen "Oiner isch emmer dr Arsch" kommt die Band bei keinem Konzert vorbei, der Jubel im Pavillon ist dann besonders groß.

Seit 2006 kommen Grachmusikoff alle zwei bis drei Jahre in den Pavillon - der Zuspruch ist stetig gewachsen. "Einfach toll, wie die nach wie vor Gas geben", freute sich Ingo Liedtke, der Vorsitzende der IG Kultur, "das war sicher nicht das letzte Mal."

Seit Mitte Februar läuft das Frühjahrsprogramm der IG Kultur im Pavillon, und Liedtke zeigt sich insgesamt zufrieden. "Wir haben fast immer sehr gute Besuchszahlen und tolle Veranstaltungen gehabt", sagt er, "nur bei dem Weltklasse-Gitarristen Peter Finger hätten ruhig etwas mehr als die rund 50 Zuhörer kommen dürfen."

Die größte Herausforderung für den Verein bleibt, das umfangreiche Programm ehrenamtlich zu stemmen, Helfer werden stets gesucht. Und aktuell fehlt zudem ein stellvertretender Vorsitzender. Am 14. April steht eine Mitgliederversammlung an, bei der diese Lücke gefüllt werden soll. "Einen heißen Kandidaten haben wir aber leider noch nicht", gab Ingo Liedtke am Samstagabend zu.

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