Bleifuß-Jazz mit der Gitarre

SZ / BZ

Erschienen am Freitag, 15. November 2013

Anlass: Günter Weiss Quintett

Bleifuß-Jazz mit der Gitarre
15.11.2013 - Von unserem Mitarbeiter Thomas Volkmann

Dass Günter Weiss einem seiner Stücke den Beinamen „Bleifuß“ gegeben hat, erstaunt wenig. Denn immer wieder fällt das an seinen Stücken auf: Sie entwickeln sich zu treibenden, lauter und immer dichter werdenden Klangkomplexen, in denen scheinbar Unvereinbares wie selbstverständlich zusammenkommt, sich ergänzt oder sich neue Impulse für eine nächste Zündstufe ergeben.

Da wird zerpflückt und wieder zusammengesetzt, das Pedal sprichwörtlich durchgedrückt. Dass dies eine Freude war, brachten vereinzelt Zuhörer durch zustimmendes Gejauchze zum Ausdruck (schon zum Ende des ersten wurde ein drittes Set gefordert), beflügelt ganz sicher durch die enthemmende Wirkung berauschender Getränke.

Seinem auf den Namen „Four Wheel Drive“ (noch so ein Begriff aus dem motorisierten Sprachgebrauch) hörenden Quartett mit den vor vielen Jahren bereits im Pavillon aufgetretenen Uli Möck am Klavier, Karoline Höfler am Kontrabass und dem erstmals in Sindelfingen spielenden Jazzdrummer Patrick Manzecchi aus Konstanz hatte sich als Melodienlieferant der Saxofonist Jochen Feucht angeschlossen.

Auf sein elegantes Spiel antwortete Günter Weiss mit einem eher ruppigen Gitarrenspiel, das durch die Verfremdung von Effektgeräten durchaus mal wie eine gedämpfte Trompete klingen konnte. John Scofield mag für das Klangbild mitunter Pate gestanden haben (das zweite Set begann denn auch mit dessen Komposition „Green Tea“), verbeugt hat sich das Quintett aber auch vor Jazzgrößen wie Carla Bley und Lester Young.

Erinnern wird man sich an dieses vor einem kleinen Publikum gespielte Konzert aber auch wegen eines Titels einer Eigenkomposition von Günter Weiss. Mütterlicherseits in Österreich verwurzelt, nannte er ein Stück „Verwoadackelt“, was nichts mit dem schwäbischen Schimpfwort „Grasdackel“ gemein hat, sondern adjektivisch so viel wie „leicht daneben“ bedeutet.

Was zwar weniger auf das zwischendurch in leichten Swing übergehende Stück zutraf als vielmehr auf das den ersten Teil des Abends beschließende „Turn around“ von Ornette Coleman. Die Improvisation (Raum für Soli gab’s reichlich) zum Ende hin bestand für Schlagzeuger Manzecchi darin, seine Stöcke zur Seite zu legen und in die Pause zu entschwinden. Damit hatten die Musikerkollegen offenbar nicht gerechnet und schauten etwas irritiert in die Runde.

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