Beatboxer zieht alle Register

SZ / BZ

Erschienen am Dienstag, 25. November 2014

Anlass: STB Bigband trifft Pheel

Von unserem Mitarbeiter Hans-Ulrich Kramer

Unter dem Motto „Zwei Welten an einem Abend“ trat die STB-Big-Band unter Leitung von Django Hödl gemeinsam mit dem Stuttgarter Beatboxer Pheel im Sindelfinger Pavillon auf. Nur mit Stimme und Mikrofon erzeugte Pheel die unterschiedlichsten Sounds und Beats. Ob solo oder im Verbund mit der STB-Big-Band: Pheel begeisterte das Publikum.

Bei einem längeren Solo-Auftritt zieht der 23-jährige Beatboxer Pheel alias Philip Scheibel alle Register: Was wie ein säuselnder Windhauch beginnt, geht über Schnalz- und Klopflaute in komplexe Soundcollagen über. In seine dynamischen Beatpassagen lässt Pheel elegant Gesangsparts aus „Ain’t no sunshine“ oder „Sweet Dreams“, aber auch mal Lachsalven einfließen.

Mit einem bassigen „Game Over“ beendet Pheel sein furioses Solo. Die STB-Big-Band steht ihm mit ihren Beiträgen in nichts nach. Vor allem die fetzige und fintenreiche Jazznummer „The Jazz Police“, die man sich auch gut als Filmmusik vorstellen könnte, weiß zu gefallen: Während die Rhythmusgruppe einen pulsierenden Beat aufrecht erhält, sorgen die Bläserregister für einen satten Sound. Ein Klavier- und ein Posaunensolo veredeln diesen Titel.

Bei den Stücken, die die STB-Big-Band und der 23-jährige Pheel gemeinsam bestreiten, fügen sich die Sounds des Beatboxers quasi nahtlos in die Swing- und Jazzmusik ein. Etwa im Jazz-Standard „Caravan“, bei dem sich Pheel mit der Rhythmusgruppe um Percussions und Schlagzeug spannende Wechselspiele liefert. Der verschachtelte Rhythmus wird dabei immer wieder von fetten Bläsersätzen überlagert, zu denen Pheel dann eher dezent beatboxt.

Experimentell mutet eine Improvisation von „Summertime“ an, zu der Pheel den Groove und Django Hödl an der Posaune die Melodie beisteuert. Sehr gelungen auch die gemeinsame Interpretation des Herbie Hancock-Stücks „Cantaloupe Island“: Das eingängige, funkige Motiv wird von den Bläsern der Bigband schön variiert und Pheel erzeugt dazu treibende Beats. Philip Scheibel ist aber nicht der einzige Vokalartist an diesem Abend. Auch die ständige Sängerin der STB-Big-Band, Pearl Bretter, setzt immer wieder Duftmarken mit ihrer so gefühlvollen wie markanten Stimme, etwa bei den Standards „Love me or leave me“ oder „Feeling good“, die der Böblinger Jazzpianist und Komponist Tobias Becker für die STB- Big-Band neu arrangiert hat.

Vor allem das swingende „Feeling good“ glückt Pearl Bretter und der STB Bigband ausgezeichnet: Nach einem Gesangssolo setzt die knapp 20-köpfige Combo ein und erzeugt einen relaxten Sound. Die Trompeten spielen mit ihren Dämpfern mal leicht fiepend, dann wieder sind sie mit den Posaunen und Saxofons zu einem fetzigen Sound vereint. Zum Ende des kurzweiligen, experimentellen Abends sind alle Akteure auf der Bühne vereint: Bei dem Paul Simon-Stück „50 Ways to Leave your Lover“ und bei der Steely-Dan-Komposition „Josie“ lassen es Pearl Bretter und Pheel gemeinsam mit der Big-Band im Pavillon der IG Kultur noch einmal so richtig krachen.

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